HDR-Tutorial

Von der Belichtungsreihe zum fertigen bild

Kurze Einführung 

Ich kann mich gut daran erinnern, als ich vor einigen Jahren die ersten HDR-Bilder in Zeitschriften sah.

Ich war erstaunt und begeistert über die teils märchenhafte Bearbeitung, den ungeheuren Kontrastumfang und die unendlichen Möglichkeiten, ein Bild auf verschiedenste Weisen zu bearbeiten.

Da die Bilder für mich so beeindruckend aussahen, durchforstete ich das Internet, um zu erfahren, wie solche Bilder entstehen.

Meine ersten Bilder entstanden mit einer Sony-Bridgekamera, die immerhin eine 3-er Belichtungsreihe zu bieten hatte.

Ich lud mir ein oder zwei kostenlose HDR-Bearbeitungsprogramme herunter und legte einfach los.

Nach Anfänglichen Schwierigkeiten wurden meine Ergebnisse zusehends besser.

Ich hatte also Blut geleckt. Es folgte der Kauf einer Spiegelreflexkamera (Samsung GX 20) und die Anschaffung von Photomatix Pro.

Einige Ergebnisse dieser Kombination sind hier noch zu sehen.

Mittlerweile nutze ich eine Olympus Systemkamera.

Ich las die ersten Turorials, die im Internet erschienen, kaufte mir Bücher und Zeitschriften.

Aus dieser wilden Mischung an Informationen entstand meine autodidaktische Art, HDR-Bilder zu gestalten.

 

Bei meinen letzten Recherchen im Internet stellte ich fest, dass es nicht viele Tutorials zum Thema HDRI gibt und diese zum Teil nicht mehr up to date sind.

Diese Anleitung wendet sich in erster Linie an Leute, die sich dem Thema HDR widmen wollen und Scheu haben einfach loszulegen.

Ich weiß, dass es erheblich professionellere Herangehensweisen gibt, dass einige sicherlich monieren werden, dass diese Anleitung nicht vollständig ist und in entsprechender Fachliteratur deutlich mehr zu erfahren ist.

Diese Anleitung sollte aber helfen, beachtliche Ergebnisse erzielen zu können, ohne sich durch Unmengen an Informationen wühlen zu müssen.


Und nun: Viel Spaß

Was benötige ich?

1: Kamera

Empfehlenswert ist jede Kamera, die in der Lage ist, automatisierte Belichtungsreihen zu erstellen. Parameter wie ISO-Wert, Blendeneinstellung, Weißabgleich, etc. sollten manuell beeinflußt werden können.

In den letzten Jahren gibt es zunehmend Kameras, die voreingestellte Parameter für HDR-Belichtungsreihen bieten.

Ich werde hier keine Werbung für irgendeinen Kamerahersteller machen.

Jede modernere System- oder Spiegelreflexkamera sollte in der Lage sein, gute Ergebnisse zu liefern.


2. Stativ

Geignet ist jedes Stativ, das einen festen Stand liefert. Das Stativ dient dazu, verwacklungsfreie Bilderserien zu liefern.

Einbeinstative sind hier weniger geeignet.


3. Fernauslöser / Kabelauslöser

Ein Kabelauslöser verhindert das Verwackeln während der Auslösungszeit der Bilderserie.

Der unmittelbare Druck auf den Auslöser der Kamera, könnte dazu führen, dass die Kamera sich bewegt und somit nicht der exakte Bildausschnitt wie in den Folgebildern der Serie zu sehen ist.

Ein günstiger Kabelauslöser eines Drittanbieters genügt hier völlig. Einige Hersteller bieten Apps zur Fernbedienung ihrer Kameras an.


4. Software

Neben der Bildbearbeitungssoftware Deiner Wahl, stehen mittlerweile eine Reihe von HDR-Bearbeitungsprogrammen zur Wahl.

Es gibt nach wie vor kostenlose Programme, die im Internet per Download verfügbar sind.

Hier kann ich jedoch keine Auskünfte geben, da ich sie nicht nutze.

Der Klassiker der HDR-Software dürfte Photomatix Pro sein, das ich auch benutze. Das Programm ist leicht bedienbar und bietet jede Menge Einstellungsmöglichkeiten.

Als Referenz gilt mittlerweile die HDR-Projects-Reihe von Franzis. Allerdings dürfte hier der Anschaffungspreis ebenfalls als Refenrenzverdächtig gelten. 

Nahezu alle Programme bieten eine kostenlose Testphase an. Also probiert aus und entscheidet nach Geschmack und Portemonnaie.


In diesem Beispiel wurde folgende Software verwendet:

Photomatix pro 4.02

Adobe Lightroom 5.6

Adobe Bridge CC

Adobe Camera RAW

Grundlegendes

Ein HDR-Bild entsteht aus Bildern einer Belichtungsreihe. In der Regel sind das mindestens 3 Bilder, oft auch 5 oder 7 Bilder.

Eines der Bilder ist "normal" belichtet. Die übrigen Bilder sind über- und unterbelichtet.

Alle Bilder werden mit exakt den gleichen Bildparametern aufgenommen.

Mit einer (entscheidenden) Ausnahme:

Die Belichtungszeiten der Bilder sind unterschiedlich.

 

Empfehlungen für Deine Kameraeinstellungen:

 

1. ISO-Wert:

Der ISO-Wert zeigt die eingestellte Lichtempfindlichkeit des Sensors an.

Grundsätzlich gilt, dass der ISO-Wert so gering wie möglich gehalten werden sollte. Je niedriger der ISO-Wert, desto geringer das Rauschen.

Bei Dunkelheit ergeben sich aus niedrigen ISO-Werten jedoch auch erheblich längere Belichtungzeiten, was bei einigen Motiven zu Schwierigkeiten führen kann. (Beispiel Sternenhimmel: Bei langen Belichtungszeiten kann es passieren, dass aus Sternen bereits leicht erkennbare Lichtstriche werden).

2. Blendeneinstellung:

Hier gilt das, was auch bei normaler Fotografie gilt.

Möchtest Du, dass auch der Hintergrund des Bildes scharf ist, so ist ein Hoher Blendenwert zu wählen (8,0 aufwärts).

Soll der Fokus auf einem Objekt im Vordergrund liegen, so ist ein niedriger Blendenwert zu wählen.

3. Weißabgleich:

Manche Fotografen wählen den manuellen Weißabgleich, um den tatsächlich erreichbaren Kontrastumfang eines Bildes zu bestimmen und so die Belichtungsreihe manuell anzupassen. Hier wird dann zunächst auf den hellsten Bildbereich fokussiert und die entsprechenden Lichtwerte notiert, dann auf den dunkelsten Bereich und ebenfalls der Lichtwert notiert.

Ich will auf diese Verfahren nicht weiter eingehen.

Ich halte dieses Verfahren für überflüssig und arbeite ausschließlich mit automatischem Weißabgleich.

4. Belichtungsschritte / Einstellung der Belichtungsreihe

In mehr als 90% aller Fälle wähle ich einer 5er-Belichtungsreihe mit einem Abstand von je zwei Lichtstufen.

In Verbindung mit dem automatischen Weißabgleich habe ich bisher immer brauchbare Ergebnisse erhalten.

 

Die Belichtungsreihen lassen sich in mehreren Modi einstellen. Hier muss ich Dich leider auf Dein Kamerahandbuch verweisen, da jeder Kamerahersteller und auch nahezu jedes Modell hier andere Einstellungen hat.

Das gleiche gilt für voreinstellbare Programme, die die Kameras bieten.

Eine manuelle Einstellung aller Parameter sollte jedoch bei den meisten Kameramodellen nicht mehr nötig sein.

Ich selbst nutze einen halbautomatischen Modus, den ich für meine Bedürfnisse vorprogrammiert habe und muß praktisch nur noch den Bildausschnitt und den Blendenwert, sowie den ISO-Wert manuell einstellen.

5. Fokus

Ich wähle in der Regel den automatischen Autofokus, Ausnahmen sind selten.

Da die Autofokussysteme der Hersteller ebenfalls sehr unterschiedlich sind, kann durchaus auch eine manuelle Fokussierung Sinn machen.

6. Bildformat

Ich fotografiere immer im RAW-Modus. Das RAW-Format bietet die meisten Bildinformationen und somit auch die größten Bearbeitungsmöglichkeiten. Die verwendete Software erkennt in der Regel alle RAW-Formate der verschiedenen Hersteller.

Wahl eines geeigneten Motivs

Als Motive für HDR-Fotografie eigenen sich nahezu alle unbeweglichen Motive.

Beliebt sind natürlich Architektur, Landschaften, Innenräume, stehende Fahrzeuge, etc.

Die Starrheit der Motive sorgt für absolut deckungsgleiche Bilder der Belichtungsreihe.

Jede Bewegung im Bild kann für sog. Geisterbilder sorgen.

Da die Kameras erheblich schneller geworden sind, als vor ein paar Jahren und die moderne Software über immer besser werdende Funktionen der Entfernung von Geisterbildern verfügen, ist die Problematik jedoch erheblich reduziert worden.

Einen Baum bei starkem Wind als HDR abzulichten, führt jedoch nach wie vor unweigerlich zu Problemen. Die Strake Bewegung der Blätter läßt sich kaum korrigieren und ein scharfes Bild wird nicht zu erreichen sein.

 

Sportfotografie, Personenfotografie, Fotografie belebter Szenarien ect., sind eher nicht geeignet. Es sein denn, es werden bestimmte Effekte gewünscht.

Zum Beispiel kann die Nachtaufnahme eines tollen Gebäudes mit davor fahrenden, beleuchteten Fahrzeugen, für tolle Lichteffekte sorgen. Das Gebäude kann in HDR-Manier dargestellt werden, zudem können die Fahrzeuglichter für tolle lichtmalerische Effekte sorgen.

 

Jetzt geht´s los

Nun zeige ich Euch, wie das HDR-Bild eines Motorrades im Lenkwerk in Bielefeld entstanden ist.

Nachdem ich das Motiv ausfindig gemacht hatte, wählte ich meinen Standort, montierte meine Kamera auf mein Stativ und legte los.

Ich wählte eine niedrige Blendenzahl von 2,8 und einen ISO-Wert von 600.

Ich entschied mich für eine Belichtungsreihe von 5 Bildern. Zwischen den Bildern wählte ich einen Abstand von jeweils 2 Lichtstärken.

Ich schloss meinen Kabelauslöser an und wartete, bis kein Publikum mehr im Bildausschnitt zu sehen war.

Die niedrige Blendenzahl wählte ich, weil ich das Motorrad im Vordergrund in den Fokus setzen wollte.

Nach kurzer Überprüfung der Einstellungen drückte ich den Kabelauslöser.

Den Rest erledigte meine Olympus.

Ausgangsbild mit normalen

Belichtungsparametern.


- 4 Belichtungsstufen

- 2 Belichtungsstufen

+2 Belichtungsstufen

+4 Belichtungsstufen

Nachdem die Bilder also im Kasten sind, begebe ich mich nach Hause und starte mit der Verarbeitung.

Zunächst werden die Bilder natürlich hochgeladen.

Anschließend starte ich das Programm Photomatix Pro.

Ich wähle den Programmpunkt Belichtungsreihe laden und füge in das Popup-Fenster die oben gezeigten 5 Bilder ein.

Mit den hier abgebildeten Parametern starte ich die Verarbeitung.

Nach dem Rechenprozess erscheint das oben gezeigt Bild. Keinen Schreck bekommen. Die eigentliche Arbeit folgt jetzt erst.

Dieses Vorschaubild zeigt ein völlig unbearbeitetes Ergebnis, das pure, eigentliche HDR-Bild.

Ich wähle nun den Button "Tonemapping / Fusion", um das Bild nun nach meinem Geschmack zu bearbeiten.

Diese Ergebnis erhalte ich mit den Standardeinstellungen.

Weil diese Version nicht meinen Vorstellungen entspricht, werden in der unteren Leiste noch weitere Bilder aus voreingestellten Parametern dargestellt und mir als Vorschlag unterbreitet. 

Ich zeige Euch zwei Beispiele:

oben:

Bild nach voreingestellten Parametern: Enhancer - Malerisch

oben:

Voreingestelltes Bild: Enhancer - S&W


Da mir alle vorgeschlagenen Bilder nicht so richtig gefallen wollen, lege ich selbst Hand an.

Hierzu nutze ich die links befindlichen Schieberegler im Verfahren Tone Mapping / Details Enhancer

Jepp, schon besser!

Ich zeige Euch nochmal die Einstellungen.

So gefällt mir das Bild und ich verarbeite es (per Button).

Hiermit ist die Arbeit in Photomatix Pro beendet.

Hier nochmals die vorläufige Version ohne störende Infos.

In dieser Version lade ich das Bild in Adobe Lightroom hoch, um einige kleine Details zu verbessern.

Die Version wurde übrigens im Format TIF gespeichert.

Hier habe ich die Grundeinstellungen leicht modifiziert. Helle Werte wurden etwas erweitert, dunkle Bildbereiche etwas reduziert.

Zudem wurde in den Farbeinstellungen der Wert Klarheit etwas angehoben und der Kontrast leicht erhöht.

Ich schärfte das Bild in den Details etwas nach und reduzierte das Rauschen.

Durch die Rauschreduzierung sehen die Gabel und der Lack etwas weicher(smoother) aus.

Voilà, fertig ist mein HDR.

Ich denke, diese Art der einfachen Bearbeitung ist für jeden nachzuvollziehen und schreckt nicht ab, es selbst einmal zu versuchen.

 

Ein einziger weiterer Klick liefert mir noch eine S/W-Version meines Bildes.

Die Bilder werden in Adobe Bridge nochmal gecheckt und anschließend in Camera RAW für das Internet konvertiert.

Zum Vergleich einmal die Versionen vor und nach der Bearbeitung in Lightroom.

Na gut...

ich gebe zu, dass in dieser Auflösung und nach jpeg-Konvertierung kaum ein Unterschied zu sehen ist. Das ist in den Originalversionen deutlicher sichtbar.


Zum Abschluss zeige ich Euch natürlich die beiden Versionen des fertigen Bildes.

Auch hier muss ich sagen, dass die Bilder durch die Komprimierung für das Internet nicht die tatsächliche Qualität zeigen.

Aber das gilt für alle Bilder hier.

Und mitten drin zum Vergleich das Originalfoto mit normalen Belichtungsparametern. Schon heftig der Unterschied, oder?

Bei allen, die es bis hierher geschafft haben, möchte ich mich bedanken.

Ich wäre natürlich sehr dankbar für Tipps, wie ich diese Anleitung verbessern kann, was besser erklärt werden muss und was ich weglassen kann.

Bei Lob werde ich mich natürlich auch nicht beschweren.


..... Und denkt bitte daran. Ich bin kein Profi. ich erkläre das alles so Laienhaft, wie ich es selbst verstehe.